Oliver Farke: PRO
Die Entscheidung ist richtig. Ich habe aktiv die Kandidatur unterstützt und zusammen mit 30.000 weiteren Aficionados an einer Onlinepetition teilgenommen. Flamenco hat alles, was nach der Definition der UNESCO ein immaterielles Kulturerbe ausmacht: er ist auch in der Gegenwart lebendig, hat eine identitätsstiftende Wirkung und ist repräsentativ für das ganze Land Spanien. Um den Flamenco noch besser zu fördern, gibt es jetzt ein schlagkräftiges Argument für die Acquise von Fördermitteln. Es wird mehr Geld fließen. Darüber können sich alle Flamencos und Aficionados freuen. Auch darüber, dass Flamenco durch diese Entscheidung international noch mehr wahrgenommen wird und das Interesse an dieser Kunstform, diesem Lebensgefühl weiter wachsen wird. Die Bekanntgabe der Entscheidung am 15.11.2010 löste in Sevilla spontane Begeisterung und wilde Fiestas aus über die Wertschätzung seitens der Weltkulturbehörde. Gleich wurden Pläne vorgestellt, Flamenco als Schulfach in den Unterricht einzuführen. Die Phantasie kennt keine Grenzen. Ein neue Ära beginnt für diese junge Kunstform, die kaum 150 Jahre alt ist. Jetzt wünschen wir allen Aktiven und Entscheidern eine glückliche Hand.

Ralf Bieniek: CONTRA
Die Entscheidung ist falsch. Ich habe die Petition nicht unterschrieben. Ich sehe den Flamenco nicht vom Aussterben bedroht oder besonders schützenswert. Im Gegenteil: Flamenco ist eine lebendige Kunstform unserer Tage, die sich rasant entwickelt, auch länder- (allein Deutschland!) und kontinentübergreifend (siehe Japan!) ausbreitet. Flamenco gehört deshalb für mich nicht ins Museum. Käme jemand auf die Idee Blues, Jazz oder Rock’n’Roll zu schützen? Dieses sogenannte schützenswerte Kulturerbe erweckt den Flamenco zwar irgendwie von den Scheintoten, aber macht ihn
dennoch klein, geduckt, gedrückt, selten, eben exotisch und irgendwie doch wieder wichtig. Was soll ich mit so einer Einschätzung? Sie ist verwaschen und nur gut für eine, mit diffuser Macht versehene, „Flamencopolizei“, die den Künstler nun mal endlich in die Schranken weisen kann: „Du, mein Lieber, das ist kein Flamenco, das ist was anderes, also nenne es nicht Flamenco.“ Flamenco ist übrigens auch längst ganz banale und große Bühnenkunst, bei der das Publikum abstimmt, wie in allen anderen Bühnenkunstrichtungen ebenso. Es wird gebuht oder gejubelt. Flamenco ist Flamenco ist Flamenco. Es gefällt oder nicht. Was ist daran schützenswert?