Die Flamencowelt trauert um einen ihrer ganz Großen: Enrique Morente war der wichtigste Erneuerer des Flamencogesanges der letzten 20 Jahre. Seit seinem ersten Album im Jahr 1967 brachte er 20 Platten heraus. Er war einer der wenigen Sänger, die wirklich neue Wege gingen, vor allem in der Fusion von Flamenco und Rock gehörte Morente zur Avantgarde. Zur Legende wurde er durch „Omega“, ein Werk, das er mit der Punkband Lagartija Nick erarbeitete. Gemeinsam vertonten sie Gedichte aus dem Zyklus „Poeta en Nueva York“ von Federico García Lorca und Lieder des kanadischen Musikers Leonhard Cohen (u.a. „Manhatten“ und „Haleluja“). Von Sommer 1995 bis Ende 1996 arbeiteten sie an der Aufnahme. Sie fanden zunächst kein Label, das die CD veröffentlichen wollte und schrieben dann Flamencogeschichte damit. Sowohl die Flamencokritiker als auch Rockkritiker beschreiben „Omega“ als eines der wichtigsten Alben der 90er Jahre. Als erster Flamenco-Sänger füllte Enrique Morente Fußballstadien und als erster bekam er 1995 den wichtigsten spanischen Musikpreis „Premio Nacional“. Immer wieder vertonte er Gedichte, u.a. von Lorca, Miguel Hernández oder Antonio Machado. Seine letzte CD handelte von Gedichten des Malers Pablo Picasso. Zuletzt war er mit den Dreharbeiten zu einem Film darüber beschäftigt. Ein anderer Film, der für den charismatischen und immer bodenständig gebliebenen Sänger inszeniert worden war, hieß „Morente sueña la Alhambra“. Auch die Karriere seiner Tochter Estrella (30) zum Superstar und Publikumsliebling unterstützte Morente maßgeblich. Mit der Bailaora Aurora Carbonell, einer Gitana, hat er noch zwei weitere Kinder: Soleá (25) und Kike (20, ebenfalls Sänger). Er selber war kein Gitano, aber ein Bohemien. Sein letztes Konzert gab Morente im November bei Mayte Martín im Molino.
Er wurde 1942 in Granada geboren, Karriere machte er in Madrid, aber er lebte im Albaicín Granadas. Während Morente im Beisein seiner kompletten Familie in Madrid im Sterben lag, nutzten schamlose Diebe die Gelegenheit und verwüsteten sein Haus und stahlen ein Auto und alles, was sie wegtragen konnten.
Die Flamencowelt ist erschüttert über das plötzliche Ende des Meisters, der als der wichtigste Cantaor der Gegenwart galt. „Wenn Camarón als Fürst der Gitanos bezeichnet wird, dann war Morente der König der Payos“, „Er war der Picasso des Cante“ schrieben Flamencokritiker. Vor allem aber war er nicht nur ein „kompletter“ Sänger, sondern auch ein genialer Schöpfer. Er suchte stets die künstlerische Herausforderung, nicht den kommerziellen Erfolg.
Der Sänger starb im Alter von 67 Jahren am Montag, den 13.12.2010 in Madrid in der Folge einer Operation an der Speiseröhre für die er am 4.12. ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Die Ärzte diagnostizierten dann Krebs.

"Estamos vivos de milagro!" (Enrique Morente)






