Palmas lernen
DVD Kurs von Jerónimo Utrilla (089DVD)
Preis: 34,90 Euro
DVD
DVD089 Palmas lernen - Kurs von Jerónimo Utrilla
Kurzbeschreibung:
Eine revolutionäre Methode, um den vertrackten Compás zu verinnerlichen. Musikwissenschaftler und Perkussionist Jerónimo Utrilla weist uns in die Geheimnisse der Palmas ein. Er erklärt am praktischen Beispiel das Zusammenspiel mit dem zweiten Palmero, die Contratiempos, Remates, Variationen und das Markieren mit dem Fuß. Ausgiebig werden folgende Palos behandelt: Bulerías - Tangos - Tanguillos - Rumba - Sevillanas - Fandangos de Huelva - Soleá - Cantiñas (Alegrías). Zur DVD gehört ein "Manual del ritmo" (ein mehrsprachiges Büchlein von 75 Seiten, u.a. dt.). Hier findet man die Schemata der Compases systematisch, ebenso wie eine Ausnotation sämtlicher Übungen. Der Clou ist jedoch, wie die technische Umsetzung des Filmes funktioniert: Es können verschiedene Bildschirm- und Toneinstellungen gewählt werden, so dass man die Wahl hat zwischen nahezu unendlich vielen Kombinationen: Die einzelnen Komponenten sind: 1. palmas, 2. palmas, Fuß, Gitarre, Metronom. So kann man sich seine Übungen perfekt selber zuschneiden, indem immer unterschiedliche Varianten und Variationen geübt werden können. Und das Beste zum Schluss: die DVD hat deutsche Untertitel.
Weitere Infos:
Originaltitel: Aprende y Practica las Palmas DVD, 2007, multizona kompatibel mit NTSC und PAL, Dauer 60min., Sprachen: spanisch, deutsch, englisch, französisch und japanisch Idea original y palmas: Jerónimo Utrilla. Guitarra Flamenca: Jose Manuel Montoya.
Rezension:
Die Palmas sind das authentischste und spektakulärste Perkussionsinstrument im Flamenco. Das Klatschen hat sich zu einer eigenständigen Kunst entwickelt. Palmas sind unverzichtbare Begleitung und Stütze für Cante, Baile und Toque, allerdings zugleich sehr komplex und variantenreich. Wenn Palmas gut gemacht sind, dann lassen sie die anderen Künstler besser singen, spielen und tanzen. Sie sind eine Hilfe und die rhythmische Basis, auf der sich der Flamenco entwickelt.
Palmas gibt es im Flamenco von Anfang an und fast überall. Jede Fiesta wird mit Klatschen begleitet. Sie sind älter als die Gitarre. Schon zu Urzeiten wurden die Cantes mit dem Klopfen der Fingerknöchel auf dem Tisch begleitet.
Nicht alle Stile sind mit Palmas, z.B. die freien Stile, die estilos libres, die so heißen, weil sie im freien Rhythmus bzw. ad libitum gespielt werden: Tonás, Malagueñas, Granaínas, die Cantes de levante und Fandangos naturales. Auch Seguiriyas, Tientos, Peteneras und die Cante de Ida y Vuelta wie Guajira, Colombianas und Milongas sind nicht unbedingt mit Palmasbegleitung, allerdings gehören hier die Palmas schon zum alltäglichen Handwerk, weil sie eben dem Tanz eine große rhythmische Hilfe bieten.
Es sind alle estilos festeros wie Bulerías, Tangos, Tanguillos, Cantiñas und die Rumbas, genau wie die Sevillanas und die Fandangos de Huelva, die ohne Palmas undenkbar wären. Sie sind für manche Palos genauso charakteristisch wie die Musik selber. Gleiches gilt für die Soleá por bulerías.
Es gibt zwei Grundarten von Palmas: die Sordas und die Sonoras, die Stummen und die Klingenden, auch claras genannt. Die dumpfen Sordas entstehen, indem hohle Handfläche gegen hohle Handfläche geschlagen werden, quasi ineinander verschlungen, wodurch ein Luftkissen entsteht. Diese leisen und dunklen Palmas werden verwendet, wenn die Begleitung sanft und subtil sein soll und dem Gesang, Tanz oder Gitarrenspiel die Hauptrolle überlassen wird. Im Gegenzug dazu sind die Sonoras treibender und präsenter: hier werden drei Finger gegen die angespannt gerade Handfläche geschlagen, ein peitschender, trockener Knall ist das Ergebnis.
Die Begleitung durch Palmas ist gekennzeichnet durch die gleichzeitige Verwendung verschiedener Rhythmusmuster, die einander überlagern. Daher sind auch immer mindestens zwei Palmeros zugegen, einer für die Basis, der andere für Contras und Variationen.
Für gute Palmas braucht man ein umfassendes Wissen über die einzelnen Stile, ihre Compases und Betonungen, sowie einen guten Klang. Außerdem muss man den Compas immer auch im Fuß haben, das ist die Basis um das Tempo zu halten und nicht aus dem Takt zu kommen, Bodenhaftung und Erdung. Viele Palmeros helfen sich bei den Contras durch Geräusche, die sie mit ihrem Mund machen, bei manchem ist dieses Schnalzen fast so laut wie die Palmas.
Palmas zu machen ist eine erfüllende Aufgabe bei Juergas und Fiestas und um aktiv am Geschehen teilzunehmen. Das Instrument ist immer dabei. Und zudem ist man den Aktiven eine große Hilfe. Aber nur wenn man die Palmas beherrscht.
Jerónimo Utrillo und Oliver Farke
Interview mit Jerónimo Utrillo
Musikwissenschaftler, gefragter Palmero aus Jerez und Macher der DVD „Aprende y Practica las Palmas“ (BestNr. 089)
Wie kamst Du dazu, eine Palmas-DVD zu machen?
Eigentlich bin ich Gitarrist, aber habe immer schon gerne Palmas gemacht, zum Beispiel für Capullo oder Macarena de Jerez. Dabei habe ich zahlreiche Patterns (patrones), Schnittmuster, entdeckt – so nenne ich die rhythmischen Phrasen –, die ich schon immer mal didaktisch aufarbeiten wollte. Das Problem war nur die Illustrierung. Man kann Palmas nicht nur durch Theorie und Klangbeispiele vermitteln, man muss die Hände sehen, denn das Entscheidende ist der Dialog zwischen den beiden Palmeros.
Was ist das Charakteristische an der Methode? Wie ist sie aufgebaut?
Die Grundidee war, dass die Palmas in der Regel immer zweistimmig sind. Einer macht die Basis und einer die Contras und Remates. Natürlich muss zunächst die Basis, das Rückgrat, erlernt werden, doch die Würze bringen die Verzierungen. Daher kann man auf der DVD aus verschiedenen Patterns (insgesamt 65) auswählen und sie sich selber zusammenstellen. Das interaktive Menü erlaubt zudem, die Gitarre, das Metronom und die Füße einzublenden, sowohl akustisch oder auch nur als Bild. Außerdem gibt es ein Buch mit 70 Seiten (in vier Sprachen u.a. dt.) in dem die musikalischen Grundsätze einfach erklärt werden. Was ist ein 2/4 und was ein 3/4 Takt? Wo liegen die Akzente? Was ist der musikalische Puls? Außerdem sind alle Patrones dort noch mal einmal abgedruckt. Das Kernstück sind aber die verschiedenen Muster auf der DVD für Bulerías, Soleá, Cantiñas, Rumbas, Sevillanas, Fandangos, Tangos und Tanguillos, mit all ihren Variationen, allein por bulerías gibt es 31 verschiedene. Es gibt viel zu tun...
Was bedeuten die Palmas für den Flamenco?
Sie sind die unverfälschte, authentischste und spektakulärste rhythmische Begleitung für alle drei Sparten. Mehr noch, für etliche Palos sind Palmas ein Identifikationsmerkmal und verleihen den einzelnen Stilen Persönlichkeit und Originalität. In vielen Fällen sind sie die einzige musikalische Begleitung für die Cantes. Auch für den Tanz sind sie von wesentlicher Bedeutung. Sie bilden die rhythmische Basis und sind eine unverzichtbare Referenz für die Füße.
Für wen könnte es interessant sein, Palmas zu lernen?
Für alle Aficionados. In jeder Fiesta, bei jedem Treffen bietet sich Gelegenheit, Palmas zu machen. Man wird zum Musiker und kann aktiv teilnehmen, den Cante begleiten, Tanz oder die Gitarre. Alle, die tanzen oder Gitarre spielen lernen wollen, kommen sowieso nicht umhin, Palmas zu lernen. Die Rhythmen und Variationen zu beherrschen, wird ihnen bei der eigenen Interpretation und Entwicklung sehr helfen. Die Palmas sind dafür eine sichere Bank.
Werden die Palmeros überhaupt noch wertgeschätzt?
Meiner Meinung nach wurden sie das noch nie gebührend. Cante, Baile und Gitarre waren immer die Protagonisten. Aber mit guten Palmeros wachsen sie über sich hinaus, wirklich. Die besten Palmeros der Geschichte sind El Bobote und El Eléctrico aus Sevilla.
Was würdest du Aficionados raten, die Palmas lernen wollen?
Sie sollen viel Flamenco hören und üben, wann immer sie können, also immer: zu Hause, bei Treffen, auf der Straße, so bekommt man Compás. Und sie sollen auf einen schönen Klang ihrer Palmas achten und auf die Akzente. Ach ja, und natürlich sollen sie meine DVD kaufen. Viel Glück!