ANDA - Zeitschrift für Flamenco

Springe zum Hauptinhalt »

Seiten durchsuchen

Sie sind momentan in:

Service-Telefon 0049 (0)251 4 82 78 27 RSS Facebook Twitter

 Flamenco(tanz) - Zur Instrumentalisierung eines Mythos in der Franco-Ära

Klicken Sie auf das Bild für volle Größe

Verkleinern
Vergrößern

Flamenco(tanz) - Zur Instrumentalisierung eines Mythos in der Franco-Ära

Dissertation von Kirsten Bachmann

Die Berlinerin Kirsten Bachmann hat nicht nur ein sehr gutes, sondern auch ein sehr wichtiges Buch über Flamenco verfasst. Mit ihrer Dissertation im Fach „spanische Kulturwissenschaften“ geht sie ohne Umschweife mehrere Themen an, die in Spanien nur höchst ungern diskutiert wurden und werden. Im Besonderen geht es um die ideologischen Instrumentalisierungen des Flamenco während der Francozeit (1939-1975), im Allgemeinen aber werden seine gesamte Geschichte und sein komplettes Erscheinungsbild kritisch untersucht.

Schreiben Sie die erste Kundenmeinung

Verfügbarkeit: sofort lieferbar

39,00 €
inkl. 7% MwSt., zzgl. Versandkosten
In den Warenkorb
ODER

Die Berlinerin Kirsten Bachmann hat nicht nur ein sehr gutes, sondern auch ein sehr wichtiges Buch über Flamenco verfasst. Mit ihrer Dissertation im Fach „spanische Kulturwissenschaften“ geht sie ohne Umschweife mehrere Themen an, die in Spanien nur höchst ungern diskutiert wurden und werden. Im Besonderen geht es um die ideologischen Instrumentalisierungen des Flamenco während der Francozeit (1939-1975), im Allgemeinen aber werden seine gesamte Geschichte und sein komplettes Erscheinungsbild kritisch untersucht. Erfrischend ist, dass hier mal nicht das Altbekannte wiedergekäut wird, sondern die Autorin geht gleich in medias res und scheut nicht davor zurück, Tabus bloßzustellen. Das mag für manchen eine herbe Provokation darstellen.

Flamenco ist seit seiner Entstehung nationalistisch (im Sinne von regionalistisch) und ethnozentristisch missbraucht worden. Kirsten Bachmann legt mit wissenschaftlicher Präzision, aber zugleich angenehm lesbaren Sprache die unterschiedlichen Motive für die Schaffung von Stereotypen und Klischees dar. Ob es um das Frauenbild oder die Rolle der Gitanos geht – nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint. Rassismus und Diskriminierung ziehen sich (bis heute) durch den Flamenco. All die Vorurteile und Stigmatisierungen entstehen nicht immer, weil etwa jemand Übles dabei im Schild führte. Oft genug war das Gegenteil der Fall. So legt Bachman bemerkenswerte Beispiele für vorauseilenden Gehorsam und Selbstzensur dar.
Die determinierte Rolle der Frau im tiefkatholischen Frankismus fand nur scheinbar ein Ventil in der Wildheit und Dominanz der Flamencotänzerin. Denn die Geschichte, die mit Koketterie und Werben begonnen hatte, endete meist in den Armen eines Mannes, mit einer glücklichen Liebe, Hochzeit und „erfüllter“ Ehe. Das ist dann nicht der Anfang sondern das Fin der Fiesta.

Erstmals wird auch die Rolle des Tanzes kritisch untersucht. Um alles wissenschaftlich belegen zu können und somit nachprüfbar zu machen, hat sich Kirsten Bachmann dabei auf die filmischen Hinterlassenschaften der Francozeit in Kino und TV gestützt. Allen voran die Filme mit Lola Flores und Manolo Caracol spiegeln auf den zweiten Blick etwas ganz anderes wider als den schönen Schein. Sogar TV –Dokumentationen wie „Rito y geografía…“ konstruierten eine Wirklichkeit, die den Flamenco in einem bestimmten Licht erscheinen lassen sollte.
Besonders umstritten ist die Rolle der Gitanos und ihrer Urheberschaft am Flamenco. Bachmann tritt den Nachweis an, dass selbst die alles Zigeunerische glorifizierende Position eines Antonio Mairena faschistoide Züge trägt, der in einem engen Zusammenhang mit anderen ideologischen Instrumentalisierungen der Francozeit in Verbindung steht. Denn immer wieder tritt der Gitano in der öffentlichen Wahrnehmung jener Zeit als der zu integrierende Fremde auf, ein Mitglied der großen spanischen Familie, exotisch und liebenswert, daher einer von uns. Kulturelle Homogenität ist ein Wesensmerkmal aller totalitären Systeme. Der Zigeuner wird zum Prototyp des Andalusiers gemacht, der zu seinem Glück nur der starken Hand des väterlichen Staates bedarf.
Eines der Schlüsselworte der Autorin ist immer wieder Dichotomie. Kein Wunder, denn diese Zweigleisigkeit von nicht miteinander zu vereinbarenden Gegensatzpaaren zieht sich durch den Flamenco: das Spannungsverhältnis zwischen Flamenco in der alltagsweltlichen Praxis einer Juerga und der kommerziellen Darbietung auf der Bühne, kurz zwischen reinem Flamenco und künstlichem, zwischen echtem und falschen, zwischen Populärkultur und Elitekultur, zwischen eingeweihten Aficionados und außenstehendem Publikum, zwischen Zigeuner und Payo, zwischen männlichen und weiblichen Rollenklischees, zwischen Macho und Maricón, zwischen der Heiligen und der Hure usw. – es gibt so gut wie keine Position die nicht für ideologische Zwecke vereinnehmbar gewesen wäre. Dafür wurden Legenden erschaffen und Traditionen erfunden.

Kirsten Bachmann ist eine große Liebhaberin der Flamencokunst. Vielleicht rührt es daher, dass es sie so wütend macht, wenn sie feststellt, wie perfide der Flamenco in seiner gesamten Geschichte missbraucht worden ist. Bei ihrem Rundumschlag ist nichts davor gefeit, von ihr bloßgestellt zu werden: Lorcas Duende, die Legende der Gitanos, der pathetische Andaluzismus, die Inszenierung der Juerga, die vermeintliche Pureza, das Lebensgefühl des Flamenco, das kritische Potential seiner Texte… Doch was wie Polemik wirken mag, ist akribisch nachgewiesen und belegt mit über 570 Fußnoten. Ihre Doktorväter Gerhard Steingress (Sevilla) und Dieter Ingenschay (Berlin) dürfen stolz sein auf die wissenschaftliche Solidität und den Erkenntniszugewinn dieser Arbeit. Trotzdem macht das Buch einen leidenschaftlichen und engagierten Eindruck. Bald soll es ins Spanische übersetzt werden. Das wird das Ende der Gemütlichkeit in der spanischen Flamencoszene.

Zusatzinformation

Artikelnummer B092
Umfang 268 Seiten
Erscheinungsjahr 2009
Verlag Logos Berlin
Sprache(n) Deutsch
ISBN 978-3-8325-2249-0
 

Seit 1994

ANDA ist die Zeitschrift für Flamenco.

Was auch immer Sie im Flamenco suchen, Sie finden es in ANDA. Die Zeitschrift für Flamenco versorgt seit 1994 die deutschsprachige Flamencoszene mit allen wichtigen Informationen.

Abonnieren auch Sie!

Bequem bezahlen

Wir bieten Ihnen folgende Zahlungsarten an. Suchen Sie sich die für Sie Angenehmste aus.

  • Vorkasse (Überweisung/PayPal - Rechnung abwarten)
  • offene Rechnung (für Abonnenten / Stammkunden)
  • Nachnahme
  • Lastschrift

Die Versandkosten sind teilweise abhängig von der gewählten Zahlungsart. Bargeld, Schecks oder Kreditkarten werden nicht vom ANDA Verlag akzeptiert.