Foto: Dave Molteni

Tomatito Hijo

Flamenco in der vierten Generation – Auch Tomatitos Sohn hat das Zeug zum ganz großen Gitarristen.

Er ist der junge Tomatito und seinem Vater wie aus dem Gesicht geschnitten: José Israel Fernández Torres, einziger Sohn des großen Tomatito, José Fernández Torres. Das Haar nicht ganz so lang wie beim Senior, klare, markante Gesichtszüge, große dunkle Augen, in denen sich Freude und Schmerz spiegeln - José Israel ist Tomatito in einer jugendlichen Ausgabe. Der Vater ist der große spanische Star am Flamencohimmel, der Sohn arbeitet daran, es seinem Erzeuger gleich zu tun. Der 58-Jährige ist das große Vorbild des 19-jährigen Sohnes und dieser schreibt die Geschichte einer großen Flamenco-Familie inzwischen in der vierten Generation weiter. Familiengeschichte, die verpflichtet: Schon sein Urgroßvater Miguel Fernández Cortés, besser bekannt als "El Tomate", und sein Großvater José Fernández Castro, ebenfalls "El Tomate" genannt, waren bekannte Folklore- und Flamencogitarristen. Sie und der Großonkel Tío Miguel haben das Spiel des Vaters geprägt und ihn inspiriert, Tomatito widmete speziell ihm auf seiner CD „Barrio Negro" eine Bulería.

Und so wie sich die Tradition des Flamencospiels in der Familie Torres über Generationen wiederholt hat, finden sich viele weitere Parallelen zwischen der Entwicklung von Vater und Sohn. Zunächst der Vater: Seinen ersten öffentlichen Auftritt mit Gitarre hatte Tomatito mit zehn Jahren. Als er zwölf Jahre alt war, zog die Familie von Almería nach Málaga. Dort lernte er nicht nur zusätzlich das Spielen auf der Klarinette, sondern musizierte auch mit seinem Vater in verschiedenen Orchestern der Stadt in verschiedenen Tablaos wie der „La Gran Taberna Gitana". Das Lokal, ganz in der Nähe des Theatro Cervantes in Malaga, war damals das Mekka der Gipsy- Gitarristen. Hier hörte Tomatito das erste Mal das Spiel des Paco de Lucía, ein Erlebnis, das ihn für sein eigenes Spiel prägte wie kein anderes. Hier lernte Tomatito auch Camarón de la Isla kennen. Ein paar Jahre hörte der berühmte Flamenco Sänger den 15-jährigen Tomatito auf einem Festival in Málaga Gitarre spielen und bot ihm die Zusammenarbeit an. 18 Jahre lang traten die beiden gemeinsam auf, bis Camarón 1992 viel zu früh starb. Der Kontakt zu dem großen Sänger öffnete Tomatito die Welt zu den ganz Großen des Flamenco. So stand er beispielsweise mit Enrique Morente, La Susi, Vicente Soto und Pansequito auf der Bühne. Jazz war immer die zweite feste Größe in seiner Musik, und so war er auch in Montreux und New York ein gern gesehener Gastmusiker. Nach dem Tod von Camarón de la Isla begann Tomatito vermehrt mit anderen Künstlern zu spielen. Er trat auf vielen Festivals auf, spielte in Istanbul und Lyon, in der Schweiz, in Japan, Deutschland und Frankreich. Sein Name war inzwischen eine feste Größe in der Szene, so dass Künstler wie Frank Sinatra und Elton John auf ihn aufmerksam wurden und mit ihm zusammenarbeiteten. Tomatitos Kreativität umfasste schon immer auch das Improvisieren und Komponieren. 1997 kam sein erstes Musical mit dem Namen „Madre Caballo" heraus. Ein Jahr später schrieb er mit an der Filmmusik für den deutschen Film „Bin ich schön?" von Doris Dörrie. Im Jahr 2000 folgte mit dem Grammy Latino für das beste Jazz-Album Spain (mit Michel Camilo) ein weiterer Höhepunkt seiner Karriere. Für „París 1987" erhielt er zudem den Latin Grammy als bestes Flamenco-Album.

Lesen Sie das Interview in der ANDA 131.

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