Flamencomuseum Cristina Hoyos
Ein Rundgang von Sarah Zellinger
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Flamencomuseum Cristina Hoyos Ein Rundgang von Sarah Zellinger
Artikel:
Eine Pilgerstätte für Freunde des Flamencotanzes wurde im Frühjahr 2006 in
Sevilla eröffnet. Das “Museo del Baile flamenco” befindet sich in einem
weitläufigen Gebäude aus dem 18. Jahrhundert, in der Calle Manuel Rojas
Marcos, nahe der Kathedrale. Das aufwändige Projekt mit einem Budget
von 3,6 Millionen wurde von der Flamencolegende Cristina Hoyos ins
Leben gerufen und finanziert. Karl Grötsch, der Marketingleiter, nennt
das Projekt ein „experience museum“, ein Ort, in dem Wissen durch
vielfältige sinnliche Eindrücke vermittelt werden soll. Für die
Direktorin Cristina Hoyos ist es mehr als nur ein ambitioniertes
museumspädagogisches Projekt, es ist „das Vermächtnis meines
kulturellen, künstlerischen, sozialen und emotionalen Lebens“. Auf drei
Stockwerken werden Aktivitäten geboten: Tanz- und Übungsstudios in den
Kellergewölben gehören dazu, wie eine Bühne und ein Café im Patio oder
ein Laden mit ausgesuchten Artikeln bis hin zu Bekleidung und Parfüm.
Schwerpunkt ist jedoch das Museum, das mit Bildern, Filmen und Klängen
die ganze Universalität des Flamenco widerspiegeln will.
Weitere Infos:
Schon jetzt zu besuchen ist die schöne Internetseite des Flamencomuseums: www.museoflamenco.com
Ein Rundgang von Sarah Zellinger, veröffentlicht in ANDA 68:
Im Zentrum von Sevilla, in der Calle Manuel Rojas Marcos, hält seit Mai
2006 das Privatmuseum „Museo del Baile Flamenco – Cristina Hoyos“ seine
Pforten geöffnet. Auf 1500 m2 erwartet den Besucher hier eine
aufschlussreiche Reise durch die Geschichte des Flamencos. Das Museum
überrascht vor allem durch hohen technischen Standard. Wir beginnen den
Rundgang im ersten Stock und schon der erste Saal wartet mit einer
Videoinstallation auf, die Herkunft und Entstehungsgeschichte des
Flamenco veranschaulichen soll. Saal 2 widmet sich den verschiedenen
„Palos“: Mit eigens choreografierten, kurzen Ausschnitten von den
sieben repräsentativsten Stilen, wird die Vielfalt des Flamencotanzes
verdeutlicht. Im selben Saal finden sich interaktive Stationen zu den
Themen Technik und Stile des Flamenco, Schulen und Grosse Maestros,
ebenfalls mit Videomaterial ausgestattet.
Um die Emanzipation des Flamenco als Kunstform geht es in Saal 3. Der Weg vom Hinterhof auf die großen Bühnen der Welt.
Der nächste Raum zeigt Originalkostüme namhafter Produktionen aus den
letzten Jahrzehnten – für wahre Fans ein ergreifender Anblick. Die mit
Touchscreen ausgestatteten Stationen erzählen von der Geschichte der
einzelnen Kostüme und ihren Trägern.
Der letzte Saal steht unter dem Titel „El duende“ und zeigt auf drei Leinwänden unkommentiertes Videomaterial.
Nach diesem kurzweiligen Rundgang bleibt noch Zeit für die Galerie des
Museums, mit drei Ausstellungen die größte in Sevilla. Neben der
deutschen Malerin Sophie Mühlenburg und dem Tänzer und Maler Vicente
Escudero sorgt vor allem die Fotografin „Colita“ mit ihren Arbeiten für
Entzücken. Viele der berühmtesten Aufnahmen von Antonio Gades bis
Carmen Amaya stammen von ihr.
Der Weg nach draußen führt durch den Patio am Tanzstudio vorbei. Das
Besondere dabei ist, dass man durch Glasscheiben den Unterricht
verfolgen kann, eine seltene Möglichkeit,den Lehrern und Schülern bei
der Arbeit zuzusehen. Angeboten werden Standardkurse und auf Anfrage
Intensivkurse. Der großzügige Patio kann bei Bedarf zu einem
Konferenzraum oder sogar in ein kleines Theater umfunktioniert werden.
Wer in Einkaufslaune ist, wirft einen Blick in den Shop – Bücher, DVDs,
Fächer, Schuhe, Parfums, eine eigene Schmucklinie, sowohl der Tourist
als auch der Aficionado wird fündig werden. Hier findet man zum
Beispiel das neueste Buch von Antonio Arco „Cristina Hoyos, el genio
desnudo“,deren Name untrennbar mit der Geschichte des Flamenco
verbunden ist.
Im Untergeschoß gibt es noch Platz für temporäre Ausstellungen, Workshops oder Einführungskurse für Kinder.
Cristina Hoyos selbst, die für die Finanzierung des Museums eines ihrer
Privathäuser verkauft hat, ist mit dem Projekt zufrieden. Noch
zufriedener wird sie sein, wenn die Gerüchte, sie habe von der Junta de
Andalucía eine bevorzugte Behandlung erfahren, endlich verstummen.