La le lu por Rumba: Der Sänger Ardillita
Eine Interview von Rainer Braehler











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La le lu por Rumba: Der Sänger Ardillita
Eine Interview von Rainer Braehler

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Im Mai 2007 wird der Sänger und Komponist Ardillita seine erste CD „de buena rama y sin limites “ veröffentlichen. Rainer Braehler durfte vorab im Smart von Ardillita (wegen des guten Sounds!) probe hören, und ihm anschließend (zum Glück in seiner Wohnung) einige Fragen stellen.

Rainer Braehler: Wir kennen uns jetzt schon seit 8 Jahren, und seitdem arbeitest du an deiner CD. Bist du so faul oder so ehrgeizig?

Ardillita: Was, so lange kennen wir uns schon? Dann kann ich dir ja gar nichts mehr vormachen. Aber Spaß beiseite. Ich habe nicht nur alle Songs und die Texte geschrieben, sondern das Projekt auch komplett selbst finanziert. Von dem Geld hätte ich mir auch ein schönes Auto kaufen können und wenn ich alle Musiker, die mir dabei geholfen haben, bezahlen müsste, hätten die auch ein sehr schönes Auto gekriegt. Jedenfalls ist die CD, so wie sie jetzt ist, für mich professionell und ein schöner Abschluss meiner kreativen Arbeit der letzten Jahre.

Der Titel der CD “de buena rama y sin limites” ist auch Programm. Du zeigst von Flamenco, Rumba , über House, Chill Out und Rockmusik eine große musikalische Bandbreite. Deine CD ist ein musikalisches Füllhorn voller Ideen.

Das freut mich, dass du es so siehst. Ich habe in meinem Leben schon soviel verschiedene Musik gemacht und habe bei dieser CD versucht, alles miteinander in Beziehung zu bringen. Daher ist diese “Fusion“ nicht nur oberflächlich im Kopf entstanden, sondern hier steckt meine gesamte musikalische Lebenserfahrung drin. Es ist meine ehrliche Musik, “puro ardillita“. Ich fühle mich musikalisch überall zuhause und mir gefallen sehr unterschiedliche Musikstile. Ich habe keine Angst Neues auszuprobieren oder aus Vorurteilen etwas zu machen, was man nicht sollte.

Kannst Du einige konkrete Beispiele nennen?

Bei einem “cante libre” eine terz (chor) zu singen, ist schon sehr gewagt. Wenn dieser Gesang sich dann auch noch mit Soul vermischt, ist bei Vielen die Grenze des “darf man das?” erreicht: Englisch singen in einem flamenco palo, wie in meinen Tangos, wurde auch noch nicht in diesem Extrem gemacht. In denke, das liegt in erster Linie daran, dass die meisten Flamencos kein “anständiges” Englisch können und es aus diesem Grund dann erst recht nicht “puro” finden. Sogar Heinz Rühmanns Klassiker „La Le Lu“ wurde von uns por Rumba neu vertont, mit deutschem und spanischem Text gesungen. Ich mache Musik mit größtem Respekt dem Flamenco gegenüber und will ihn in keiner Weise zerhacken. Ich suche Möglichkeiten der Fusion meiner musikalischen Wurzeln

Wie komponierst du?

Ich habe die kompletten Abläufe im Kopf und spiele mittlerweile recht gut Gitarre. Ich nehme die Songs dann in meinem kleinen Studio auf. Manche Songs auf der CD sind schon 10 Jahre alt und mit mir gewachsen, andere sind in 5 Minuten, während der Aufnahmen, entstanden oder in einer kreativen Ambiente mit den anderen Musikern spontan improvisiert.

Die Texte sind auch alle von Dir?

Der Song „Xtranjero“ ist ein gutes Beispiel dafür, um was es mir bei meinen Texten geht: Er handelt von den Problemen der Emigranten der zweiten oder dritten Generation. Wir sind eigentlich nirgends zu Hause. Gerade für einen Flamencomusiker ist dieses Thema sehr prägnant. Ich möchte gerne rüberbringen, dass man nicht in Sevilla oder Jerez geboren sein muss, um frischen Flamenco-Pop zu machen. Irgendwie sind die Spanier schon Rassisten. Es ist sehr schwer, hier anerkannt zu werden, und es ist mir sehr wichtig zu zeigen, dass mittlerweile auch außerhalb von Spanien gute Flamenco-Musik gemacht wird. „Duende“ handelt von meinen sehr persönlichen Gefühlen zu Camaron, aber ich nehme auch mal das Wort Drogen in den Mund und sage, dass ich nicht alles so toll finde, was er gemacht hat.

Wie wichtig ist Camaron für dich als Sänger?

Er ist das für mich, was Paco für die Gitarristen ist. Er hat dem Flamenco eine nie gekannte Freiheit und Ausdrucksmöglichkeit gegeben. Aber für mich zählen auch noch andere Sänger. Pacos Bruder Pepe de Lucia wird meiner Meinung nach sehr unterschätzt. Er hatte in der Band von Paco keine Gelegenheit sich wirklich auszuleben und ich glaube, Paco hat ihn neben sich nie richtig hochkommen lassen. Denn Pepe ist nicht nur ein sehr guter Sänger sondern hat sicherlich 50 % aller Letras geschrieben, die man heute singt, und ist auch ein hervorragender Produzent.

Mir gefallen die Übergänge und die Breaks auf deiner CD sehr gut. Sie wirken immer fließend und natürlich.

Ich spiele ja seit vielen Jahren Cajon und ich liebe alles, was mit Rhythmus zu tun hat. Aber am Wichtigsten sind “Las Tablas“, die Bretter, die die Welt bedeuten. Das richtige Timing lernt man eben nur auf der Bühne, und ich mache seit 6 Jahren circa 80 Auftritte im Jahr.

Wer arbeitet mit Dir an der CD

Da sind natürlich als “ Prominenz “ aus Spanien Charo Manzano und Manuel Parrilla, bekannt aus der langjährigen Zusammenarbeit mit Joaquin Cortes, Enrique Morente, Alejandro Sanz sowie Camaron. Leonor Moro hat mir ihren wunderbaren Tanz “geschenkt”, Ricardo Espinosa und Jorge Palomo ihren perfekten Compás, und aus der alten Riege sind natürlich Roberto Reigada “el Fino”, Angel Huertas, Juanillo, La Cali, sowie meine bezaubernde Cousine Leilani im Chor mit von der Partie. Sogar meine Frau Rocio hat mich gesanglich unterstützt. Der Gitarrist Miguel Sotelo kam völlig kostenlos sechs oder sieben Mal aus Spanien, um auf dem Album dabei zu sein. Er ist von unserer Arbeit überzeugt und unsere Freundschaft ist dadurch auch sehr gewachsen.
Aber am Wichtigsten ist mein Produzent: Manuel Rongioletti Suarez (Stereo Minds), der mit mir seit Jahren an der CD arbeitet und viel Zeit und Herzblut in dieses Projekt gesteckt hat. Er weiß, wie man die Gefühle, die ich ausdrücken will, in die richtigen Sounds übersetzt. Wenn ich etwas im Stil von Ketama im Kopf habe, weiß er, wie es sich am Ende anhören soll. Manuel kann das genauso gut mit House, Chill Out oder Hip Hop. Wir haben es unsere Songs Leuten aus den entsprechenden Szenen vorgespielt und sie waren sehr zufrieden mit dem Sound. Wir möchten natürlich auch Musik für Musiker machen, und ein anerkennendes Schulterklopfen unter Kollegen bedeutet natürlich sehr viel.

Was ist dein Traum für diese CD?

In erster Linie ist die CD dafür gedacht, um sie bei meinen Konzerten zu verkaufen.
Aber der Traum ist natürlich ein Plattenvertrag in Spanien. Das wäre natürlich eine echte Sensation. Die Veröffentlichung ist für Mai diesen Jahres geplant. Eine CD Release Party ist in Planung, einen genauen Termin gebe ich über meine Website oder die ANDA bekannt.

Wie ist denn deine Meinung zur Flamenco Szene in Deutschland?

Ich gebe Dir eine ganz ehrliche Antwort: Ich finde, es gibt in Deutschland viel Selbstüberschätzung und zu viele Leute, die sich viel zu schnell als “Profis” auf den Bühnen dieses Landes tummeln. Ich fasse mich da auch an meine eigene Nase!
Ich bin nicht im entferntesten ein so kompletter Sänger wie vielleicht Jose Parrondo,dafür bin ich viel zu modern und zu unwissend, aber ich verkaufe nur das, was ich auf höchsten Niveau abliefern kann und keinen Fake. Vielleicht werde ich nie in der Lage sein, eine anständige Seguiriylla abzuliefern, aber bis dahin heißt es üben. Man kann einfach nicht vier oder fünf Workshops machen und dann mit gestählter Brust eine Flamenco-Schule aufmachen und unterrichten bzw. auf einer Bühne Gage verlangen. Es gibt Gitarristen, die sich als Profis verkaufen, weil sie technisch alle Falsetas von Paco oder Vicente spielen aber dann keine drei Akkorde por Tangos begleiten können, das geht einfach nicht. Ich bin keiner, der meint, das Flamenco den Spaniern gehört und alle anderen die Finger davon lassen sollten aber ich halte es mit einem schönen Lebensmotto, das mir mein Vater mit auf den Weg gegeben hat: ‚Es ist wichtig das du weißt, was du kannst, aber noch viel wichtiger ist es zu wissen, was du nicht kannst.“
In diesem Sinne, an alle, die sich jetzt angegriffen fühlen, seit “Puros” denn das heißt, ihr seit ehrlich, wahr und authentisch. Ardillita ist immer authentisch, auch wenn das manchmal heißt, politisch „not correct“ zu sein. Ich hoffe, dass meine CD bzw. meine Konzerte den Menschen ein paar schöne Momente bereiten, dann hat sich die ganze Arbeit für mich gelohnt. Vive lo puro en ti y curratelo dia a dia!



Weitere Infos:

www.ardillita.com

www.myspace.com/ardillitacompany





© ANDA Verlag GmbH - Letzte Änderung: 15 October 2007
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